Kinder am Wasser nie aus den Augen lassen

Urlaubszeit - Badezeit! Strandurlaube sind gerade bei Familien sehr beliebt. Während die Eltern Sonne tanken, buddeln die Kinder im Sand oder plantschen im Wasser. Doch Vorsicht! Kleine Kinder können selbst in flachen Gewässern ertrinken, warnen die Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder“ e.V. (BAG) und die Deutsche-Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG). „Man sollte kleine Kinder an Gewässern grundsätzlich nie aus den Augen verlieren und immer in Griffnähe bleiben“, empfiehlt Martina Abel, Geschäftsführerin der BAG. Schwimmreifen oder -tiere sind Spielzeug und keine Auftriebskörper oder Rettungsmittel. Das Tragen von Schwimmflügeln kann immer nur ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor sein.

Eine neue Studie aus den USA belegt: Kinder ertrinken, weil Erwachsene ihre Aufsichtspflicht vernachlässigen. In neun von zehn Todesfällen durch Ertrinken waren die Kinder nicht mehr in Sichtweite des Familienmitgliedes, das sie
beaufsichtigen sollte. Ursache dafür ist das mangelnde Sicherheitsbewusstsein der Erwachsenen. Die Hälfte aller Eltern gibt an, dass sie sich keinerlei Sorgen mache, ihr Kind könne ertrinken.

Kinder ertrinken leise

„Das sind alarmierende Ergebnisse“, kommentiert Martina Abel die Studie, die von der Schwesterorganisation der BAG, „Safe Kids“, in Auftrag gegeben wurde. „Keines dieser Kinder hätte sterben müssen, wenn rechtzeitig entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden wären. Die Vorsichtsmaßnahme Nummer eins ist Aufmerksamkeit.“ Kleine Kinder können selbst in wenigen Zentimetern Wasser ertrinken, wenn sie mit dem Gesicht nach vorn hineinfallen. Grund ist ihr Körperbau: Ihr Kopf ist im Verhältnis zum Körper schwerer. Zudem verlieren sie die Orientierung, sobald ihr Gesicht im Wasser ist. Sie sind nicht in der Lage, sich selbst wieder aufzurichten. „Kinder ertrinken leise“, so Abel, „sie schreien nicht, weil sie gar nicht mehr hochkommen können.“

Schwimmen lernen ist eine gute Unfallprävention

Im Sinne einer Unfallprävention sollten Kinder ab dem Alter von vier Jahren beginnen, Schwimmen zu lernen, empfiehlt die DLRG, die im Kooperationsverbund BAG als engagiertes Mitglied aktiv ist. Im Schwimmbad, am Strand oder an einem See sollten Kinder, die noch nicht schwimmen können, immer von Erwachsenen beaufsichtigt werden, selbst wenn sie Schwimmflügel tragen. Babysitter, Großeltern und andere Verwandte sollten ebenfalls mit diesen Vorsichtsmaßnahmen vertraut sein, wenn sie mit den Kleinen allein unterwegs sind. „Lieber ein bisschen vorsichtiger sein als nötig“, das ist, so Martina Abel, „eine gute Richtschnur für erwachsenes Verhalten.“

Im Jahr 2003 sind in Deutschland 34 Kinder im Alter bis fünf Jahre ertrunken. Noch immer ist in dieser Altersgruppe Ertrinken die zweithäufigste Ursache bei tödlichen Unfällen.

Tipps für Sicherheit im Wasser

  • Sobald Kinder in den Kindergarten kommen, sollten sie die Baderegeln lernen. Sie dienen nicht nur einem rücksichtsvollen Verhalten im Wasser, sondern auch der eigenen Gesundheit und machen Gefahren bewusst.
  • Kinder sind noch nicht in der Lage, die gesamte Tragweite ihres Handelns zu überschauen. Sie agieren risikoreicher, ahnungsloser und unbekümmerter und benötigen deswegen eine verantwortungsbewusste Erziehungs- / Aufsichtsperson.
  • Beachten Sie bitte die individuellen und aktuellen Voraussetzungen (psycho-physischer Entwicklungs- und Gesundheitszustand) des einzelnen Kindes.
  • Seien Sie sich immer bewusst: Wasser übt auf fast alle Kinder eine quasi magische Anziehungskraft aus.
  • Machen Sie Kinder möglichst früh mit dem Wasser vertraut: Kinder können schon ab 4 Jahren Schwimmen lernen, sollten aber bereits davor erste Kenntnisse und Fertigkeiten zum sicheren Verhalten am und im Wasser erfahren!
  • Versuchen Sie vorausschauend Gefahrenpunkte (z.B. Gefahrenorte) auszumachen.
  • Unabhängig davon, ob Kinder mit oder ohne Hilfsmittel ins Wasser gehen: Erziehungspersonen haben immer die Pflicht zur aktiven und konsequenten Aufsicht (trotz Badaufsicht)
  • Kinder müssen genau wissen, was erlaubt bzw. verboten ist. Sicherheit ist jedoch nicht alleine durch Gebote und Verbote zu erreichen. Vor allem jüngere Kinder müssen häufiger an die wichtigsten Verhaltensregeln und Sicherheitsmaßnahmen erinnert werden, da einmalige Belehrungen vergessen werden. Deshalb: Regelmäßige und situative Wiederholung von sicherheitsrelevanten Anweisungen

 

Quelle: DLRG e.V. und DLRG Celle e.V.